Fachbereich 10

Institut für Finanz- und Steuerrecht


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Neugierig, immer offen für Neues und nie zufrieden mit einer Antwort - das zeichnet den Forscher aus!

Methodisch und konzeptionell

Die Forschungsinteressen und -schwerpunkte von Prof. Dr. Heike Jochum sind breit gestreut. Im nationalen Recht stehen ertragsteuerliche und verfahrensrechtliche Themen im Mittelpunkt. Besondere Aufmerksamkeit widmet sie dabei der Besteuerung privater Kapitaleinkünfte. Im Kern ist es aber die Grundlagenforschung, die ihr am Herzen liegt. Die Ausdifferenzierung der juristischen Methodenlehre auf dem Gebiet des Steuerrechts treibt sie ebenso um wie die analytisch ausgerichtete Rechtsvergleichung und die harmonisierende Annäherung der nationalen Steuerrechtsordnungen in Europa. Innovative Konzepte zu entwerfen, ist eine Herausforderung - wir müssen sie annehmen! 

Besteuerung privater Kapitaleinkünfte

Die  Einführung einer Abgeltungsteuer auf Einkünfte aus privatem Kapitalvermögen stellt eine tiefgreifenden strukturellen Einschnitt in das Ertragsteuerrecht dar. Nicht weniger einschneidend ist die Erstreckung der Abgeltungsteuer auf Veräußerungsgewinne. Die gleichheitsrechtliche Rechtfertigung des hergebrachten Dualismus der Einkünfte im deutschen Einkommensteuerrecht wird damit zunehmend in Frage gestellt. Weiter tangieren Einschränkungen des Nettoprinzips und vom Gesetzgeber in Kauf genommene Doppelbelastungen (sog. „Kaskadeneffekte“) die freiheitsrechtlichen Grenzen des steuerlichen Zugriffs auf die nicht unerschöpflichen Ressourcen der Bürger. Die Kommentierung des § 20 EStG im Großkommentar hrsg. v. Kirchhof/Söhn/Mellinghoff setzt sich mit diesen spannenden Fragen intensiv auseinander.

Nach langem Ringen wurde im Jahr 2015 auf Betreiben der OECD der politisch Durchbruch zur Schaffung eines weltweiten automatischen Informationsaustauschs erreicht. Beginnend mit dem 1.1.2017 wollen mehr als 60 Staaten umfassend steuerrelevante Finanzinformationen nach OECD-Standard (Common Reporting Standard - CRS) austauschen. Damit erscheint die deutsche Abgeltungsteuer in einem neuen Licht. Sie könnte schon bald "ausgedient" haben. In einem aktuellen Forschungsprojekt begleiten wir diese spannende Entwicklung gemeinsam mit Prof. Dr. Oliver Thomas, einem ausgewiesenen Experten für Informationsmanagement und Wirtschaftsinformatik.

Methodische Grundfragen des Steuerrechts

Das Steuerrecht ist eine komplexe Materie. Es soll die vielschichtigen Lebenssachverhalte der Steuerbürger zuverlässig erfassen, um eine gleichmäßige und gerechte Verteilung der Steuerlast zu garantieren. Den ständigen Veränderungen unserer Lebenswirklichkeit hat das Steuerrecht Rechnung zu tragen. Es entwickelt daher in vielen Bereichen eine ungesunde Schnelllebigkeit. In dieser Situation ist es umso wichtiger, die Grundlagen des Steuerrechts und die Methodik im Umgang mit seinen Regeln fest im Blick zu behalten.

Der methodisch korrekte Umgang mit der anzuwendenden Norm, ihre Einordnung in das Geflecht steuerrechtlicher Vorschriften und die Auslegung ihrer Tatbestandsmerkmale bilden einen Schwerpunkt unserer Forschung. Hinzukommen Fragen der Rechtsfortbildung aber auch und insbesondere der Verwirklichung des Rechts. Auch insoweit weist die Methodenlehre des Steuerrechts interessante Facetten auf, die sich in anderen Rechtsgebieten nicht in gleicher Ausprägung finden. Unsere bisherigen Erkenntnisse sind in einer grundlegenden Monographie veröffentlicht worden. Eine Schriftenreihe setzt den Diskurs fort, die wir im Verlag Mohr & Siebeck, Tübingen, gemeinsam mit den Prof. Dres. Joachim Englisch und André Meyer herausgeben.

Steuern in der Grenzregion Deutschland-Niederlande

Die sozialen und wirtschaftlichen grenzüberschreitenden Verbindungen im EUREGIO-Raum nehmen stetig zu. Damit geht eine Steigerung grenzüberschreitender Tätigkeiten von Unternehmen sowie deren Mitarbeiter auf beiden Seiten der deutsch-niederländischen Grenze einher. Ist diese Entwicklung für die EUREGIO als überaus positiv und wünschenswert zu bezeichnen, so bringt dennoch jeder einzelne Sachverhalt unterschiedlichste steuerliche Folgen mit sich. Dadurch entstehen oftmals Probleme, die für die Entscheidungen auf beiden Seiten der Grenze leitend sein können. Die grenzüberschreitenden Tätigkeiten können dadurch erschwert und so die Entwicklung des gemeinsamen Wirtschaftsraums gehemmt werden. In einer grenzüberschreitend konzipiertenForschungsstelle der Universitäten Osnabrück, Tilburg und Münster sowie neuerdings Maastricht bereiten wir Lösungsansätze vor. Das Auftaktprojekt wurde im Programm INTERREG IVa gefördert. Aktuell arbeiten wir gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen der Universität Maastricht an einem Pilotprojekt zum European Pension Tracking. Grenzüberschreitenden Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern soll es möglich werden, "auf Knopfdruck" die angesammelten Altersvorsorgebeiträge, deren staatliche Förderung und deren steuerliche Behandlung einzusehen. Sowohl gesetzliche, betriebliche wie auch private Rentenansprüche sollen umfasst sein.

Vereinheitlichende Einflüsse auf nationale Steuersysteme

Namentlich der Europäische Gerichtshof nimmt durch seine Interpretation der gemeinschaftsrechtlichen Grundfreiheiten maßgeblich Einfluss auf das nationale Ertragssteuerrecht. Die Harmonisierungsbemühungen und -bereitschaft der Mitgliedstaaten scheinen von der Rechtsprechung des Gerichtshofs geradezu überrollt zu werden. Diese Entwicklung und insbesondere die unterschiedlichen Reaktionen der einzelnen Mitgliedstaaten zu erfassen, zu systematisieren und ihre Grenzen auszuloten, ist eine Herausforderung. Gemeinsam mit den in EATLP und EUCOTAX-Gruppe international engagierten Kollegen und Kolleginnen ist diese zu bewältigen. Aus rechtsvergleichender Sicht lohnt das Unterfangen, nach allgemein konsensfähigen Rechtsprinzipien, Regelungsinstrumenten und Rechtsfiguren zu suchen. Auf diese Weise kann der Grundstein für vereinheitlichende Modellentwürfe gelegt werden.

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